Kaiserschnitt vs. Vaginale Geburt

Vaginale Geburt heißt ja eigentlich "Spontangeburt" - aber wie spontan ist eine Geburt nach einer Einleitung? Deshalb spreche ich lieber von vaginaler Geburt.

Es gibt ja überall und in jedem Bereich die Verfechter "ihrer" Methode. Ich bin da der Typ, der gerne beide Seiten gut abwägt. Denn gerade eine Empfehlung bei einer Geburtsmethode auszusprechen, halte ich für falsch und sehr riskant. Wer möchte denn im Nachhinein die Verantwortung übernehmen, wenn etwas schief geht? Egal ob Sectio (Kaiserschnitt) oder Vaginalgeburt - in beiden Fällen kann einiges schief gehen. Eine Geburt ist IMMER ein Risiko! Das Leben zweier Menschen (oder im Mehrlingsfall noch mehr Menschlein) steht auf dem Spiel.

Als Beckenbodentherapeutin empfehle ich: Prävention vor Rehabilitation!

Um dies zu gewährleisten, sind Aufklärung und Information für die Geburt das Wichtigste. Damit die Frau in einem für sich ressourcevollen Zustand in die Geburt gehen kann und mit ihr die Geburtshelfer*innen. Denn nichts ist schlimmer, als dann in einer unvorhergesehenen Situation Panik zu bekommen.


Was sollte nun aufgeklärt werden und was sind die Risiken einer Sectio und einer vaginalen Geburt?

Eine Sectio ist eine OP - Punkt - Hier gibt es grundsätzlich immer Risiken: Nerven-, Gefäßverletzungen, Organverletzungen, Psychisches Trauma für die Frau mit dem Gefühl "versagt" zu haben. Dieses Gefühl herrscht weiterhin vor (auch durch die Gesellschaft) und sollte bitte jeder Frau, die sich für eine Sectio entscheidet, genommen werden! Die Nachwirkungen einer Sectio: Aufgrund der Bauchwunde sollte sich die Frau anfänglich sehr schonen, das Gefühl stellt sich bald ein "Ich bin nicht so schnell fit wie nach einer Vaginalgeburt - aber auch eine Vaginalgeburt braucht Schonung! Nach einer Sectio ist bei einer weiteren Schwangerschaft das Risiko eines Gebärmutterrisses größer, dazu eine instabilere Rumpfmuskulatur aufgrund der Durchtrennung wichtiger Faszien und Muskeln. Dazu gibt es noch weitere Risikofaktoren, bitte mit dem/der Arzt/Ärztin besprechen.

Eine vaginale Geburt ist ein Blick in die Glaskugel - alles was sich wunderschön angebahnt hat, kann sich dennoch drehen. Sie kann mit Geburtsstillstand und medizinischer Interventionen einhergehen, z.B. der Einsatz einer Saugglocke (Vakuumextraktion). Dies hat aber oft eine Geburtsverletzung der Frau zu Folge. Da das Leben des Ungeborenen in dem Fall an erster Stelle steht, werden eben diese "unterstützenden" Maßnahmen getroffen. Oft eine Katastrophe für die werdende Mutter, denn Vagina und Beckenboden werden mit enormen Kräften gedehnt und können dadurch stark verletzt werden, z.b. in dem einer der wichtigsten Beckenbodenmuskeln reißt - der m.levator ani - eigentlich eine Zusammensetzung dreier Beckenbodenmuskeln. Reißt der m.levator ani ab, spricht man von einer Levator Avulsion - und dies ist oft der Beginn einer Leidensgeschichte: Der abgerissene Muskel kann die Beckenorgane nicht mehr halten und stützen, die Organe sinken ab. Blase, Vaginawände, Darm, Gebärmutter. Eines oder mehrere Organe drücken nach unten und erzeugen Schmerzen, Druck und Fremdkörpergefühl, Entleerungsstörungen des Darms und / oder der Blase. Die Harnröhre sinkt auch ab, weshalb häufig ein Harnverhalt einhergeht.


Wichtig zu wissen ist: nicht alle Frauen habe die gleichen Beschwerden und Symptome, manche Frauen und deren Körper kann eine Levator Avulsion besser kompensieren als andere. Aber stets sollte alle Beschwerden und Symptome ernstgenommen und behandelt werden!


Mehr dazu in diesem ausgezeichneten Artikel von Dr. Martina Lenzen-Schulte


Ich habe selbst beide Kinder vaginal entbunden und möchte diese Erlebnisse nicht missen. Ich weiß aber um die Risiken und Spätfolgen und möchte dazu aufklärend beitragen! Denn Prävention vor Rehabilitation - Immer! Und ich würde mich nie aus dem Fenster lehnen, NUR DIE EINE Geburtsmethode zu empfehlen.

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