Wie sinnvoll ist Fitnesstraining mit Baby in der Bauchtrage?


Auf der einen Seite mutet diese Sportmöglichkeit mit Baby in der Bauchtrage oder im Tragetuch praktisch an: Das Baby nah am eigenen Körper zu tragen und dazu noch sportlich aktiv zu sein. Schnell auf die Bedürfnisse des Babys reagieren zu können, und manche Frauen stillen sogar das Baby währenddessen. Eine rundum praktische und schöne Angelegenheit.

Aber ist das wirklich gut und sinnvoll für die relativ frische Mama? Dazu möchte ich gerne die Gegebenheiten medizinisch und therapeutisch auseinandernehmen und aufklären, denn ich werde immer wieder von Mamas gefragt, ob ich diese Möglichkeit des Sportelns empfehlen kann.


Nehmen wir mal an, Mama Steffi hat vor rund 5 Monaten spontan entbunden. Der Wochenfluss ist abgeklungen, der Rückbildungskurs bei der Hebamme ist abgeschlossen. Der Dammriss II ist äußerlich sichtbar verheilt. Manchmal fühlt sie sich noch etwas kraftlos und instabil, spürt ab und zu ein leichtes Ziehen am Schambein beim Staubsaugen oder anderen anstrengenderen Tätigkeiten.


Steffi stillt voll und fühlt sich der Situation entsprechend gut. Jetzt möchte sie endlich wieder etwas für sich tun und meldet sich beim Gymnastikkurs an (ein Mamikurs mit Babys in der Trage).

Ihr Baby wiegt schon stolze 6 kg. Diese 6 kg Babygewicht in der Bauchtrage lasten während den Bewegungsübungen direkt auf ihrem Bauch mit Druck nach innen und unten. Wenn man sich nun vorstellt, dass Steffis Beckenboden durch Schwangerschaft und vaginale Geburt enorm überdehnt wurde, kann der Beckenboden noch nicht funktionell arbeiten und diesen Druck nach innen und unten nicht kompensieren.

Außerdem hat man in einer Studie Hinweise gesammelt, dass Stillen zusätzlich den Beckenboden strapaziert. Ich möchte jetzt auf keinen Fall das Stillen ausreden oder schlechtmachen, ich habe selbst meine beiden Kinder gestillt, aber das Stillen bewirkt, dass alle muskulären und bandhaften Strukturen im Körper weich und weniger kontraktiv belastbar sind (hormonell bedingt).


Jede zusätzliche Belastung und jedes zusätzliche Gewicht belasten den noch weichen und instabilen Frauenkörper, und deshalb rate ich von diesem "Mamitraining" wirklich ab. Außerdem ist man als Frau sowieso rundum die Uhr mit dem Baby "verhaftet", die Nächte sind kurz, das Stillen kostet Energie, die Babyzeit ist einfach anstrengend - so schön sie natürlich auch ist. Bedenke außerdem: Die Rückbildungsphase dauert circa 15 Monate nach Geburt des Babys. Erst dann ist Dein Körper nahezu da angekommen, wo er vor der Schwangerschaft war. Gib Dir diese Zeit!


Aus meiner Sicht als Sport- und Beckenbodentherapeutin rate ich deshalb dazu: Nimm Dir eine bewusste Auszeit für Dich und Deinen Körper, und führe Dein Bewegungs- und Gymnastikprogramm ganz bewusst nur für Dich durch. Gerne auch in der Gruppe - ohne Baby. Nimm Dir die Zeit, Kraft zu tanken, auszuruhen, loszulassen, Dich selbst wieder zu spüren und Dir etwas Gutes zu tun. Je besser Du Dich im Anschluss fühlst, desto fitter und frischer bist Du wieder für Dein Baby. Und für Dein Baby gibt es nichts Besseres als eine entspannte, ausgeruhte und fitte Mami, deren Beckenboden sich langsam wieder erholen kann.

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