Durch unsachgemäße Übungen kann man den Beckenboden auch in ein Problem hineintrainieren

Nachdem ich heute mal wieder einen Artikel gelesen habe, indem die Autorin beschrieben hat, wie sie durch falsches Beckenbodentraining ihren Beckenboden in die Beschwerden hineintrainiert hat statt heraus, nehme ich dies nun zum Anlass, meine Meinung, meine Erfahrungen und meine eigene Arbeitsweise dazu zu teilen.

Grundsätzlich sollte sich jede Frau von einer Fachkraft zeigen und erklären lassen, wie und mit welchen unterstützenden Übungen der Beckenboden RICHTIG und INDIKATIONSSPEZIFISCH trainiert, entspannt beübt werden soll. Dies ist u.a. auch der Grund, warum ich relativ wenige Übungen im Allgemeinen auf meiner Website zeigen, weil nicht jede Übung für jede Frau und ihre Situation passt.


Die oben genannte Fachkraft sollte wirklich Ahnung von der Thematik haben. Sporttherpeut*in, Physiotherapeut*in, Trainer*in mit einer Beckenbodenausbildung sein und am besten mehreren Fortbildungen durchlaufen haben. Und der Fachkraft sollte bewusst sein, dass nicht nur ein simples "nach innen oben hoch ziehen" oder ein "verschnüren" der Verschlussmuskeln ausreicht.

Es sollte grundsätzlich vorab folgendes abgeklärt werden:

  • Welche Indikation, Symptomatik, Beschwerden liegen vor?

  • Liegt eine oder mehrere Diagnosen vor?

  • Wie viele Kinder hat die Frau geboren und gab es Geburtsverletzungen/Dammriss/Scheidenriss?

  • Liegt eine Inkontinenz vor? Wenn ja, wie äußert sie sich?

  • Wie äußern sich die Beschwerden?

  • Sind Schmerzen am knöchernen Becken / Rückenschmerzen / Unterleibsschmerzen vorhanden?

  • Stillt die Frau noch?

  • Ist die Frau schwanger?

  • Hat schon mal eine urogynäkologische OP stattgefunden? Wenn ja, welche?

  • Ist eine Senkung in der Vagina erkennbar?

  • Liegen Verdauungsstörungen/Entleerungsstörungen vor?

  • Liegen Probleme beim Urinieren vor?


Es gehen also viele Fragen voraus, um eine richtige Übungs- und Therapieanleitung an die Hand geben zu können. Wenn dieses Vorgespräch in einer Beckenbodentherapie nicht stattfindet, kann eine korrekte Therapie/ein Beckenbodentraining nicht stattfinden.


Ich frage außerdem meine Patientinnen: Was möchtest Du verändert haben? Was soll sich bessern? Welche Möglichkeiten haben wir, eine Verbesserung einzuleiten?


Als Therapeutin möchte ich sicherstellen, dass meine Patientin wirklich verstanden hat, worum es geht. Welche Übungen für sie sinnvoll sind und vor allem, wie die Beckenbodenmuskeln bei der individuellen Problematik KORREKT angesteuert werden. Je nachdem, welches Ziel die Patientin verfolgt, bzw. für ihre Symptomatik wichtig ist, werden DIE Muskeln angesteuert, die genau darauf abzielen, die Organe abzustützen, zu stabilisieren, die Blase verschlossen zu halten, den Darm stabil zu halten.


Ich wähle also Übungen individuell nach der jeweiligen Zielabsicht aus. Und eben nicht - eine Übung oder eine Art der "Anspannung" für alle Probleme. Die eierlegende Wollmilchsau gibt es auch beim Thema Beckenbodentherapie nicht. Deshalb empfehle ich: Augen auf bei der Therapeut*innenwahl!

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